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Geschrieben von Michael Huber   

Ausgangssituation
Die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens hängt heute maßgeblich davon ab, Kunden und andere Wertschöpfungspartner in das Innovationsmanagement zu integrieren, denn von diesen Anspruchsgruppen geht auf Grund ihrer Produkterfahrung und ihres Produktverständnisses ein großes, oft noch nicht gehobenes Innovationspotenzial aus. In vielen Branchen, wie z.B. der Sport- und Outdoorindustrie, gestalten schon heute verschiedenste Wertschöpfungspartner Produkte aktiv mit. Dieser Gedanke hat sich in der Softwarebranche bislang jedoch noch kaum durchgesetzt, obwohl das Open Source Beispiel das große Potenzial bestätigt. Software-Unternehmen fehlt es oftmals an einer entsprechenden Innovationskultur und einem systematischen Innovationsmanagement: Die Innovationsaktivitäten in dieser Branche sind in der Regel durch unstrukturierte Ideenfindung, die sogar häufig nur aus einer konkreten Angebotssituation heraus erfolgt sowie mangelnde Stakeholderintegration gekennzeichnet. Die Entwicklung radikaler Innovationen wird so gebremst, häufig erfolgt nur eine inkrementelle Verbesserung bestehender Produkte.

Ziele des Forschungsprojektes
Grundgedanke des Projektes GENIE ist die Schaffung von Innovationscommunities, deren Mitglieder sich aus Wertschöpfungspartnern und anderen Anspruchsgruppen (insbesondere Kunden, Forschungs- und Projektpartner, etc.) eines Software-Unternehmens rekrutieren. Gemeinsames Ziel einer solchen Community soll es sein, gemeinschaftlich sowohl auf einer zentralen Internetplattform als auch in Offline-Settings Innovationsideen zu generieren sowie diese in Zusammenarbeit zu konkreten Innovationsprojekten zu verdichten. Diese Innovationsprojekte können im Idealfall sogar in Prototypen oder Business-Plänen münden. Auf dieser Basis entstehen innovative Produkte, die dem initiierenden Unternehmen neue Möglichkeiten in neuen oder bestehenden Märkten eröffnen. So wird das Innovationsmanagement von Software-Unternehmen nach außen geöffnet und externe Innovationspotenziale im gesamten Innovationsprozess nutzbar gemacht.


innovation proccess

Abbildung 1: Durch Zusammenarbeit der Community-Mitglieder entwickeln sich im Lauf der Zeit die ursprünglichen Innovationsideen zu aussagekräftigeren Innovationsprojekten und im Idealfall sogar zu Prototypen.

Dem GENIE-Konzept liegt ein Ideenevolutionsprozess zu Grunde, der den Reifeprozess einer Idee entlang des Innovationsprozesses beschreibt. In der ersten Teilphase der „Ideengenerierung“, also der frühen Phase des Innovationsprozesses, werden von den Community-Mitgliedern Ideen vorgeschlagen. Diese werden dann in der Community durch Kommentierung und Kombination mit den Ideen anderer Community-Mitglieder verfeinert. Auf diese Weise entstehen durch die Vernetzungs- und Kollaborationsaktivitäten der Community-Mitglieder aus den Ursprungsideen sukzessiv konkretere und aussagekräftigere Innovationsideen.

Ideen generierung

Abbildung 2: Der Ideenevolutionsprozess innerhalb der GENIE-Community

In der zweiten Phase der „Ideenimplementierung“ werden die Ideen entweder durch die Community selbst oder das initiierende Unternehmen bewertet und im Rahmen einer weiteren kollaborativen Bearbeitung sukzessive mit Lösungsinformationen angereichert, d.h. die Ideen gewinnen in immer stärkerem Ausmaß an Ausarbeitungsgrad sowie an Informationen darüber, wie sie unter Anwendung von Wissen, Technologien und Fertigungstechniken umgesetzt werden können. Durch diese kollaborative Elaboration werden die Innovationsideen zu konkreten Innovationsprojekten getragen. .

Forschungsmethodik und Realisierung
Im Rahmen des Forschungsprojektes soll eine derartige Innovationscommunity pilotiert und dafür geeignete Methoden, Modelle und Werkzeuge entwickelt werden, die die Community von der Ideenfindung bis zur Ideenimplementierung sowohl im Internet als auch in der realen Welt durchgängig unterstützen. Bei diesem Forschungsansatz wird die zu initiierende Community stufenweise geplant und entwickelt, wodurch es zu einer steten Realisierung von Verbesserungspotenzialen kommt. Die Methodik der Pilotierung ermöglicht dabei die Entwicklung und Implementierung sozio-technischer Innovationen in ihrem natürlichen Umfeld. Durch diesen methodischen Innovationsprüfstein wird eine hohe externe Validität der Ergebnisse gewährleistet sowie ein effizienter und effektiver Erkenntnistransfer in die Praxis ermöglicht.

Im Kontext der Pilotierung kommt es neben der Sozialisierung der Community auch zu einer Entwicklung und Implementierung einer geeigneten Internet-Plattform, die es den Community-Mitgliedern ermöglicht, über das Internet kollaborativ zu agieren.

Pilotsystem

Abbildung 3: Der iterative Entwicklungsprozess der Internetplattform für die GENIE-Community im Rahmen der Pilotierung

Als Community-unterstützende Methode liegt darüber hinaus beispielsweise die Erforschung von IT-gestützten Ideenwettbewerben im Interesse des Projektes. Durch diese werden für potenzielle Community-Mitglieder Anreize geschaffen, sich aktiv an der Generierung neuer Produktideen zu beteiligen. Durch die Entwicklung und Implementierung des so genannten IdeaMirror™  - ein Werkzeug, durch den die Darstellung von Ideen auf großen Wandbildschirmen ermöglicht wird - kann die Community in der realen Welt agieren. So können Community-Mitglieder in geeigneten öffentlichen Räumen (z.B. auf Messen) unter anderem Ideen einsehen und bewerten. 

Nutzen des Forschungsprojekts
Für Softwareunternehmen:
  • Systematisierung des Innovationsmanagement
  • Hebung von Innovationspotenzialen von Kunden und anderen Wertschöpfungspartnern
  • Verbesserung der Innovationsfähigkeit
Aus der Perspektive der Wissenschaft:
  • Induktive Generierung und Erprobung neuartiger Ansätze, Methoden und Werkzeuge im Sinne des Open-Innovation-Gedankens